Nicht mehr ob, sondern wo: Beobachtungen vom ITHM Tech Accelerator Day

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Am 13. Oktober fand im Münchner Werksviertel der Tech Accelerator Day des InsurTech Hub Munich statt. Continuity war mit Benoît Pastorelli auf der Bühne; Rupert Hustert und Christopher Lohmann waren vor Ort und im Gespräch mit den Teilnehmern.
Interessanter als die Pitches war das, was zwischen ihnen gesprochen wurde.

Unsere vier Beobachtungen:


1. Die Grundsatzfrage ist erledigt

An keinem Tisch stand zur Debatte, ob Künstliche Intelligenz im Gewerbegeschäft etwas bringt. Die Frage war durchgehend eine andere: wo anfangen. Das ist ein anderer Gesprächseinstieg als noch vor zwei Jahren, und er verlangt andere Antworten. Wer heute mit einem Versicherer spricht, muss nicht mehr überzeugen, sondern einordnen.


2. Das Angebot deckt die ganze Kette ab, und genau darin liegt die Schwierigkeit

Vertrieb, Underwriting, Schaden: für jede Station gibt es inzwischen Lösungen. Für einen Versicherer, der entscheiden muss, ist Fülle keine Hilfe, sondern eine Sortieraufgabe. Die nützlichste Unterscheidung, die an dem Tag fiel, trennt zwei Dinge, die oft vermischt werden: Verbessert eine Lösung eine Entscheidung, oder beschleunigt sie nur einen Arbeitsschritt? Beides hat seinen Wert. Es ist aber nicht dasselbe, und es gehört in unterschiedliche Budgets.


3. Die Häuser rüsten sich organisatorisch, nicht nur technisch

Auffällig war, wie viele der anwesenden Versicherer inzwischen eigene Einheiten für die Zusammenarbeit mit externen Partnern unterhalten: zentrale Forschungs- und Entwicklungsbereiche, Venturing-Einheiten, ausgebaute Konzernentwicklung. Es entstehen Zuständigkeiten und Prozesse für etwas, das lange projektweise lief. Ob das inhaltlich neu ist, lässt sich diskutieren. Organisatorisch ist es ein Unterschied, und für die Zusammenarbeit ist es der relevantere.


4. Das Tempo ist allein nicht zu halten, und das wird offen gesagt

Der Satz fiel an dem Tag von mehreren Seiten. Für eine Branche, der man gern Langsamkeit nachsagt, ist diese Offenheit bemerkenswert. Sie ist zugleich die eigentliche Voraussetzung für jede Partnerschaft: Zusammenarbeit setzt voraus, dass man sie für nötig hält.


Was wir daraus mitnehmen

Wenn Fülle das Problem ist, hilft kein weiteres Versprechen, die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken. Hilfreich ist, präzise zu sagen, welche Entscheidung besser wird.

Bei uns ist das die Frage, ob ein Bestand noch abbildet, was tatsächlich versichert ist. Benoît hat dazu auf der Bühne eine Zahl genannt: Rund 15 Prozent der Policen in einem typischen Bestand entsprechen nicht mehr dem realen Risikoprofil des Kunden. Das ist keine Zeichnungsfehlerquote. Es ist eine Informationslücke, die über die Laufzeit entsteht und sich ohne Anlass nicht von selbst schließt.

Sie wird dort größer, wo ganze Bestände den Besitzer wechseln. Mit der Konsolidierung im Maklermarkt wachsen Versicherer zunehmend über Zukäufe statt über einzelne Policen. Wer einen Bestand übernimmt, erbt Risikoinformationen, die er nicht selbst erhoben hat.

Der Anspruch, den wir an dem Tag von mehreren Seiten gehört haben, ist klar: wachsen und Marktanteile gewinnen, ohne Abstriche bei der Zeichnungsdisziplin. Genau in diesem Spannungsfeld wollen wir einen Beitrag leisten.


Danke

Danke an den InsurTech Hub Munich und an Dr. Joachim Ziegler für ein Format, das die Fragen der Versicherer nach vorn gestellt hat, und an alle, die mit uns diskutiert haben.


Wer eines dieser Themen weiterverfolgen möchte: Rupert Hustert ist der direkte Ansprechpartner.